Die Stimme des Herrn

Die Stimme des Herrn

Jakob Gafarelli, der Bibliothekar Ludwigs XIII., faßte die Psalmworte »Coeli enarrant gloriam Dei« wortwörtlich auf: die Sterne seien in Form hebräischer Buchstaben am Himmel angeordnet und man könne in ihnen wie in einem Buche alles lesen, was auf der Erde vorgeht. Daß die Himmel den Schöpfer unmittelbar rühmen, davon kann in Stanislaw Lems Roman »Die Stimme des Herrn« keine Rede sein; die Sterne geben jedoch Zeichen, und wie stets liegt es am Menschen, sie zu deuten. Ein pulsierender Neutrinostrahl aus einer Quelle, die mit der Kraft unserer Sonne sendet, ist entdeckt worden, aber was diese Signale bedeuten, das ist die Frage. Handelt es sich um ein rein physikalisches Phänomen? Oder aber um eine interstellare Botschaft, ausgesandt von einer uns weit überlegenen Zivilisation an bestimmte oder auch unbekannte Empfänger, das heißt alle Zivilisationen, die fortgeschritten genug sind, sie zu entziffern?.

In dem Buch, das ich gar nicht gern habe - »Transfer« [Rückkehr von den Sternen] -, tauchte das Problem der Betrisation ebenfalls ganz plötzlich auf und hat sogar mich überrascht. Ich wußte nur eines: Hier muß es zu einer Kommunikationslücke, zum Fehlen einer Verständigungsmöglichkeit kommen, denn es geht ja nicht an, daß jemand nach 130 Jahren zur Erde zurückkehrt, die Unterhaltung aber bietet ihm keine Schwierigkeiten, man benutzt noch die gleichen Begriffe. Ich wußte, daß es sofort zu einem Konflikt kommen muß, der dann tatsächlich aus mir »heraussprang«.

Mich stört die Sentimentalität dieses Buches; die Helden sind Muskelprotze, und die Heldin ist von Pappe. Das riecht irgendwie nach Remarque, nach seinen »Drei Kameraden«. Darin steckt eine Art Lausbüberei. Oder distanzierter ausgedrückt - der Autor darf die Protagonisten nicht bei guter Laune halten, nur weil er sie mag. Die Liebesgeschichte könnte so ausgehen, wie es im Roman geschieht, aber Vorbedingung wäre die Herausstellung der Persönlichkeit der Geliebten des Erzählers; in Wirklichkeit ist sie ein weißer Fleck geblieben. Zwar halte ich das Problem der Betrisation an sich immer noch für sinnvoll, aber bei der Ausführung habe ich es zu stark vereinfacht. Diese Welt ist irgendwie zu flach, das heißt zu eindimensional. Mein zwiespältiges Verhältnis zu diesem Buch erkennt man am besten daran, daß ich dann doch eine Übersetzung zuließ.