Apokryphen

Ich denke, daß mit den Jahren in mir die Ungeduld bezüglich eines gewissenhaften handwerklichen und langsamen Aufbaus der Fabel zunehmend gewachsen ist. Will man einen Gedankenblitz in eine Erzählung umwandeln, so muß man sich entsetzlich schinden, und das ist gar nicht intellektuell gemeint. Das war einer der Gründe, warum ich mich auf so grausame Kurzfassungen einließ, wie es diese Bücher waren.
Besonders mit der »Imaginären Größe« habe ich den Verlegern viel Kummer bereitet, denn wie Sie wissen, endete das mit einem Vortrag von Golem. Als ich Lust bekam, eine Fortsetzung dieser Golemschen Betrachtungen zu schreiben, deckte sich der erste Teil des zweiten Buches mit dem letzten Teil des vorangegangenen. Ich konnte nicht anders, und die Verleger druckten das - leise stöhnend -, so wie es ist. Es trug sich etwa so zu, als wäre das Element der Unabhängigkeit, das im geschriebenen Text zutage trat, revoltierenden Stimmungen gewichen.
In diese Bücher bemühte ich mich verschiedene Stilarten einzubringen: den Stil der Rezension, des Kommentars, der Vorlesung, der Dankrede (eines Nobelpreisträgers) und ähnliches. Diese Experimente sind gleichsam »Kästchen«, die, eines über das andere gelegt, Stufen ergeben, über die ich jenes Stockwerk erklomm, auf dem Golem zu sprechen beginnt. Ich muß übrigens sagen, daß dem Schreiben dieses Buchs viele Jahre der Anwendung von trial und error vorausgegangen sind. Ich verfügte über eine Unmenge Material, von dem sicherlich am Ende kaum fünf Prozent im Buch Aufnahme fanden.

  • Die volkommene Leere

    Die volkommene Leere
    1 1 1 1 1 Rating 4.00 (5 Votes)

    Rezensionen über Bücher zu schreiben, die es gar nicht gibt, ist keine Erfindung Lems«, meint der Rezensent des Lemschen Werkes in seiner Besprechung, die den vierzehn Beitrügen dieses Bandes vorangestellt ist. »Wir finden derlei Versuche nicht nur bei einem zeitgenössischen Autor wie J. L. Borges, sondern das Rezept reicht weit zurück, und nicht einmal Rabelais war der erste, der davon Gebrauch gemacht hat. Das >Absolute Vakuum< nun ist insofern ein Kuriosum, als es eine Anthologie nur eben solcher Kritiken sein will. Systematik und Konsequenz der Pedanterie oder des Schabernacks? Wir vermuten das letztere . . .«

    Als seriöser Literaturmensch fühlt sieh der Rezensent vor den Kopf gestoßen und zieht nun heftig gegen Lern zu Felde, habe dieser doch in seinen Parodien, Pastiches und Spötteleien Meisterwerke als Witz abgetan, weil er vielleicht selber keines schreiben könne, was auch seine flüchtigen Entwürfe bewiesen, lauter Einfälle, die er im Großformat nicht zu realisieren verstanden habe: »Man weiß ja, Lern hat die Enzyklopädie mit Löffeln gefressen, man braucht ihn nur zu schütteln, und es stiebt von Logarithmen und Formeln . ..« Dabei sei es ganz einfach, ihm auf die Schliche zu kommen und zu erkennen, daß das »Absolute Vakuum« ein Buch unerfüllter Wünsche sei. »Und die einzige Finte, die dem hakenschlagenden Lern jetzt noch übrigbleibt, ist ein blitzschneller Konter: die Behauptung, nicht ich, der Kritiker, sondern er selbst, der Autor, habe diese Rezension geschrieben und prompt dem >Absoluten Vakuum< einverleibt.«

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  • Eine Minute der Menschheit

    One Human Minute
    1 1 1 1 1 Rating 4.75 (4 Votes)

    "Eine Minute der Menschheit", der erste Band in Stanislaw Lems Bibliothek des 21. Jahrhunderts, ist eine Momentaufnahme der Menschheit an der Schwelle zum 21. Jahrhundert; der zweite behandelt die neuen fürchterlichen Waffensysteme, die Militärtechnologie und Strategie der Zukunft; und der dritte liefert den allgemeinen philosophischen Hintergrund, die Standortbestimmung des Menschen in der Welt.

     

     

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  • Imaginäre Größe

    Imaginäre Größe
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    Imaginäre Größe - ein philosophisches Werk aus dem Jahre 1973. Es enthält fiktive Vorwörter zu − laut Lem − in der Zukunft erschienenen Werken. Diese beschäftigen sich mit zukünftiger Technologie und zukünftigem Denken. (wiki)

    Stanisław Lem schrieb selbst im Vorwort dieser Vorwörter:

    „Die Kunst, Vorworte zu schreiben, erhebt schon lange Anspruch auf ein Heimrecht. Und ich spüre schon längst das Bedürfnis, diesem okkupierten Schrifttum Genüge zu tun, das seit vierzig Jahrhunderten in der Sklaverei der Werke, an die gefesselt ist, über sich selbst schweigt.“ 

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  • Provokationen

    Provokationen
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    »Schon Die vollkommene Leere enthielt solche Darstellungen, Kritiken erfundener Bücher, die zu den köstlichsten Satiren des literarischen Modebetriebs zählen können. In der Erzählung Provokation ging Lern noch einen Schritt weiter. Hier geht es um das angeblich zweibändige Werk des Göttinger Anthropologen Horst Aspernicus >Der Völkermord Anthropologie des Bösen< zu entwerfen. ..«
    (Wolfgang Kraus, Darmstädter Echo)

    »Zu rühmen ist auch jener Text, der sich mit dem Völkermord befaßt. Ein gewisser Herr Horst Aspernicus aus Göttingen hat zwar niemals einen Traktatus über die >Endlösung als Erlösung Fremdkörper Tod Endlösung der Judenfrage< zugrunde lagen . . .
    Lem ist ein Analytiker, der sich übrigens auch selbst ein wenig persifliert und doch sein Ziel erreicht: er provoziert, er zwingt uns, über unsere >unbequemen< Probleme, die nur provisorisch vernarbt sind und die wir am liebsten vergessen und verdrängen möchten, nachzudenken.«
    (Tadeusz Nowakowski, Frankfurter Allgemeine Zeitung)

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  • Waffensysteme des 21. Jahrhunderts. Oder die verkehrte Evolution.

    Waffensysteme des 21. Jahrhunderts
    1 1 1 1 1 Rating 4.13 (8 Votes)

    Stanislaw Lem ist aus dem 21. Jahrhundert ein Buch zugekommen, das das völlige Umdenken in der Militärstretegie der Zukunft erkennen lässt. Die Folge ist die Entwicklung einfacher und billiger Waffen in großer Zahl, künstliche Organismen und Synsekten, die vom Instinkt geleitet werden, erweisen sich den alten Waffensystemen als ungeheuer überlegen. Es beginnt die Herrschaft des Computers, mikrominiaturisierter und kaum verwundbarer Systeme, das "Computerium" ist Wirklichkeit geworden. (Amazon.de)

     

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