Nachdem im 21. Jahrhundert die Großmächte zu der Einsicht gelangten, dass Abrüstung in gegenseitigem Einvernehmen und ohne gegenseitiges Misstrauen nicht möglich sei, waren sie übereingekommen, ihre gesamten Waffenarsenale auf den Mond auszulagern. Dort war jedem Land ein durch neutrale Zonen von den anderen getrennter Sektor zugeteilt worden. Wer Zugang haben wollte, musste die »Lunar Agency« der UNO um Genehmigung ersuchen. Auf diese Weise wurden Überraschungsangriffe, wie sie im 20. Jahrhundert üblich gewesen waren, ausgeschlossen. Die Techniken und Technologien waren jedoch so weit fortgeschritten, dass sich die Waffensysteme verselbständigten und nicht mehr von menschlicher Mitwirkung abhängig waren; nach dem Prinzip der unnatürlichen Evolution der Tiere und Pflanzen besaßen sie die Fähigkeit zur »strahlenden und divergenten Selbstoptimierung«. Dies also ist auch die Situation auf dem Mond, keiner auf Erden weiß, was sich dort abspielt.

Die Entstehung von Pokoj na ziemi wurde nicht von der damaligen politischen Situation inspiriert, ich habe immer versucht, Einflüssen dieser Art zu entkommen, und die Pressemeldungen über die Verschlechterung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen hatten keine direkten Auswirkungen auf den Entstehungsprozess des Buches. Erst jetzt wurde bekannt, dass die Welt damals einem Atomkrieg näher war, als alle vermutet haben, und auch ich konnte davon nicht wissen. Trotz des Endes des Kalten Krieges, die Gefahr eines Einsatzes der Kernwaffen existiert weiter, schon wegen der Aktivitäten der verschiedenen terroristischen Organisationen. Ich betrieb nie so genannte „political fiction“, und zwar auf Grund meiner Überzeugung, dass Vorraussagen der politischen Geschehnisse, weder lokal noch global, möglich sind. Das Leitmotiv für dieses Buch war der Versuch, sich vorzustellen, was mit dem psychischen Zustand eines Menschen passiert, dem die Verknüpfung der beiden Gehirnhälften durchschnitten wurde. Mich faszinierte die Vorstellung, dass in einem Kopf zwei unabhängige Bewusstsein existieren könnten. Zur Vorbereitung habe ich mich mit Fachliteratur beschäftig. 

In die schlimmste Verlegenheit meines Lebens war ich ganz zufällig geraten, als ich nach meiner Rückkehr von der Entia Professor Tarantoga besuchen wollte. Ich traf ihn nicht zu Hause an, er war nach Australien geflogen. Zwar wollte er in wenigen Tagen zurück sein, da er aber eine seltene Primel züchtete, die viel Wasser brauchte, hatte er für die kurze Zeit seinen Cousin in der Wohnung einquartiert. Es war ein anderer als der, der die Klosetts weltweit nach Wandsprüchen durchforscht, Tarantoga hat eine Menge Cousins, und der hier befaßte sich mit Paläobotanik. Ich sah ihn zum erstenmal, er empfing mich im Hausmantel und ohne Hose, in die Schreibmaschine war ein Bogen Papier gespannt, ich wollte gleich wieder gehen, aber er ließ es nicht zu. Ich störe ihn durchaus nicht, sagte er, im Gegenteil, ich sei gerade zur rechten Zeit gekommen.