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Seite 1 von 2 Philip K. Dick oder die unfreiwillige Phantomatik
Der Roman »Ubik« von P. K. Dick ist der einzige SF-Roman, den ich kenne, in dem die Phantomatik wirklich das bewirkt, wozu sie berufen ist: sie sprengt den Unikalismus der Welt. Die Zerspaltung der Wirklichkeit vertieft sich im Verlauf der Aktionen und enthüllt schließlich ihren Abgrund. Die Suche nach dem Erzähler, der weiß, wo das Reale aufhört und wo dessen Maske beginnt, endet auf den Irrwegen einer kläglichen Ratlosigkeit, denn das festzustellen ist, wie bereits gesagt, nicht möglich. Der Erfolg Dicks stellt ein wahrhaftiges Paradoxon dar, denn dieser Autor verfolgte mit seinem »Ubik« weder die Absicht, neue epistemische Qualitäten zu belletrisieren noch sich mit den Techniken der Phantomatisierung zu beschäftigen. Er ging von anderen Prämissen aus, die teilweise spiritistisch und - durch das Vokabular - der SF-Literatur angenähert, teilweise telepathisch sind. (Das sind zwei verschiedene Begriffsbereiche; der Spiritismus, d. h. der Glaube an Geister, muß sich bereichsgemäß überhaupt nicht mit der Telepathie überschneiden.) Doch das Werk hat während seiner Entstehung diese Voraussetzungen neutralisiert und beherrscht. Deshalb muß ich es, um seine Besonderheit hervorzuheben, zweimal vorstellen: einmal kurz zusammengefaßt und ein andermal kommentiert.
Doch ich werde mich nicht nur auf die Präsentation des »Ubik« allein beschränken. Die Welt dieses Romans ist eng mit den Welten der anderen Werke dieses Autors verwandt. Von diesem Standpunkt aus könnte man die Mehrzahl der Bücher Dicks für Streuungen halten, die sich um das »Schwarze« einer Zielscheibe anordnen bzw. für Versuche, die in unterschiedlichem Maße das phantomologische Ziel verfehlten. Deshalb gerade ist ein Überblick über die Werke empfehlenswert: wie immer, wenn man einen bestimmten Bereich von Möglichkeiten hat, sind alle legbaren Schritte, d. h. nicht nur die optimalen, in den Resultaten lehrreich. Nicht nur wegen dieses sachlichen Vorteils möchte ich mich mit dem Gesamtwerk Dicks beschäftigen, sondern auch deshalb, weil ich es zuerst falsch bewertet habe. Ich kannte zunächst nur drei seiner Romane: »Do Androids Dream of Electric Sheep«, »Now Wait for the last Year« und »Our Friends from Frolix 8«, kannte also weder »Solar Lottery« noch »The Three Stigmata of Palmer Eldritch« noch »Ubik«. Was ich kannte, hatte ich negativ beurteilt. Von dieser Bewertung kann ich nicht abgehen. Doch erst »Three Stigmata« und »Ubik« gaben mir die Möglichkeit, Dicks Schaffen als eine gewisse Ganzheit zu sehen, in dem sich immer ein und dasselbe Buch wiederholt oder besser, in dem auf seltsamen Klaviaturen mit verschiedenen Dissonanzen und Gicksern ein und dieselbe Botschaft gehämmert wird.
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