Also sprach GOLEM

Also sprach GOLEM

Manche Leser werden GOLEM XIV bereits kennen. Dr. Irving T. Creve, GOLEM-Experte des Massachusetts Institute of Technology, hat uns ja schon vor achtzehn Jahren durch sein Vorwort zur anthropologischen Antrittsvorlesung des luminalen Denkriesen (siehe GOLEM XIV, Boston: MIT Press 2029; deutsch unter dem gleichen Titel, Frankfurt am Main: Insel 1976) mit der Entstehungsgeschichte unseres maschinellen Autors bekannt gemacht.
Da Dr. Creve nun leider nicht mehr unter uns weilt, hat es sein Freund und Mitarbeiter Dr. Richard Popp übernommen, die von Creve geplante Publikation der zentralen Aussagen GOLEMs »über den Menschen, über sich selbst und über die Welt« vorzulegen (vgl. sein Nachwort vom Juli 2047). Popp gab ihr den Titel: »Also sprach GOLEM« - mit Recht, denn GOLEM XIV ist vor längerer Zeit verstummt.

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Kybernetische Fabeln Virtuoser Autor Lem

Johannes Frankfurter, Neue Zeit, Februar 1984

Die Lemologen aller Galaxien sind wieder einmal neue, interessante, spannende Aufgaben gestellt: Sie werden ihre kybernetischen Maschinen und hypothetischen Roboter in nächster Zeit vor allem mit Fragen und Problemstellungen aus dem Reich der Fabeln und Märchen füttern. Denn unu hat sich das Phaenomen "Lem" offensichtlich auch auf diese Bereiche ausgedehnt (...).

Schon die Titel so mancher der Geschichten sprechen fuer sich: "Die vierte Reise oder Wie Trurl ein Femmefatalotron baute um Prinz Bellamor von Liebesqualen zu erlösen und wie es danach zum Babyboombardement kam". Oder: "Altruizin oder Der wahre Bericht darüber, wie der Eremit Bonhomius das universelle Glück im Kosmos schaffen wollte und was dabei heraus kam".  Schon allein die Virtuosität, mit der Lem (und wohl auch seine Übersetzer) die Wissenschaftssprache, die Fülle der Fremdworte darin zu einem ironisch-poetischen Ereignis macht, ist höchst amüsant.  Das er dabei immer wieder eines seiner Hauptthemen anschlaegt, es bei aller Ironie und Fabulierlust eigentlich tödlich bis todernst meint, das gibt diesen Erzählungen erst jenen Tiefgang und jene Dimension, die sie weit über alles (halbwegs) Vergleichbare aus dem Science-Fiction-Bereich hinausheben (...).