Astronauten

Astronauten

Als der »Planet des Todes«, der im Original »Die Astronauten« heißt, 1951 erstmals erschien, mutete der Gedanke an den Start in den Kosmos, an Weltraumfahrten und Astronauten noch wie eine ferne Utopie an, zumindest für den Laien. Heute, aus der Distanz von mehr als einem Vierteljahrhundert, mag manchem daher Lems Romanerstling in vielen Details überholt vorkommen, überholt von der Wirklichkeit und neuen Erkenntnissen. Wenn der »Planet des Todes« trotzdem seine Leser immer wieder in den Bann zieht, dann wegen der für den polnischen Schriftsteller charakteristischen Verbindung utopischer Überlegungen mit aktuellen Problemen. Hier auch mit dem seit Hiroshima offenkundigen Schrecken der Atomkraft, die außer Kontrolle gerät. Denn die Abenteuer, die Lems Helden zu bestehen haben, lehren sie die Kraft des Atoms, sie warnen aber auch vor seinem Mißbrauch durch Ignoranz und egoistisches Machtinteresse. Und darin besteht die anhaltende Wirkung dieses "historisch-utopischen" Romans.

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(...) also fuhr ich dort hinauf, und durch eine Tür mit der Aufschrift Nur nach Voranmeldung gelangte ich in ein Untersekretariat, das augenblicklich leer war, von dort durch eine Seitentür mit der Aufschrift Klopfen in einen Saal voller trocknender Mobilmachungspläne, und hier stand ich vor einem Problem, denn zwei Türen führten weiter - die eine mit einem Täfelchen: Nur für Ba-lanceure — die andere mit einem: Kein Durchgang. Nach einigem Nachdenken öffnete ich die zweite, und es zeigte sich, daß ich gut daran getan hatte, denn ich befand mich nun in dem Sekretariat des Oberbefehlshabers, des Kommanderais Kashenblade. Da ich durch diese Tür kam, fragte mich der diensthabende Offizier nach gar nichts, sondern führte mich ohne weiteres zum Chef.

Auch hier zitterte in der Luft ein sanftes, gläsernes Klingen. Kashenblade rührte in einem Glas Tee. Er war ein gewaltiger, kahler Greis. Sein Gesicht mit schlaffen Wangen, die wie Schürzen herabhingen, und mit faltiger Haut unterm Kinn, ruhte auf den Uniformaufschlägen mit Abzeichen von galaktischen Symbolen. Auf dem Schreibtisch vor ihm standen Telephonapparate in zwei Reihen, zu deren Seite Nachrichtenapparate, in der Mitte aber - Glasbehälter mit Etiketten der verschiedenen Exemplare, doch außer dem Spiritus konnte ich nichts weiter darin sehen. Er hatte eine Glatze voll geschwollener Adern. Er war damit beschäftigt, auf verschiedene Knöpfe zu drücken, was zur Folge hatte, daß die sich jeweils mit einem Klingelzeichen meldenden Telephonapparate verstummten. Meldeten sie sich mehrmals, so schlug er mit der Faust auf die ganze Klaviatur, so auch bei meinem Anblick. Eine Stille folgte, in der er eine Weile mit dem Teelöffel klimperte.
»Ah, Sie sind es«, bemerkte er. Seine Stimme war gewaltig. »Zu Befehl, ich bin es«, erwiderte ich.
»Warten Sie — sagen Sie nichts —, ich habe schon mein Gedächtnis«, murmelte er, mich unter seinen buschig herabhängenden Brauen anschauend. »X 27, Retranspulsion kontra stellarische Cygnis Eps, he?« »Nein«, sagte ich. »Nein? Ah! Na! Bau Mobilatrynx, B -Ku K- einundachtzig, Komma, Unternehmen Schlammbutt? Bi, wie Bipro-poda?«
»Nein«, sagte ich und versuchte, ihm meine Vorladung unter die Augen zu schieben, doch er wies sie unwillig von sich.
»Nnnein ...?« sagte er murrend. Er sah sich in seinem Stolz gekränkt und wurde nachdenklich. Er rührte in seinem Teeglas. Ein Telephon klingelte. Er erstickte es mit der Gebärde eines Löwen.
»Ein Plastikaler?« schleuderte er mir ins Gesicht. »Ich?« sagte ich erstaunt. »Nein, vielmehr ein — Gewöhnlicher .. .« Kashenblade erstickte mit einem Hieb die seit einer Weile lärmenden Telephone und schaute mich noch einmal an.