Terminus

(…) Das Klopfen schwoll an, wurde schwächer. Pirx bewegte sich vorwärts, so schnell er es vermochte, er flog förmlich. In den Fußboden unter ihm waren rostige Schienen eingelassen - einst waren Loren für die Laderäume auf ihnen gerollt. Das Hämmern schwoll erneut an. Pirx' Blick fiel auf ein Rohr, das aus einem Quergang kam und unter der Decke entlanglief. Er berührte es und spürte, wie es zitterte. Die Klopfzeichen ertönten in Gruppen - jeweils zwei, drei Schläge auf einmal. Plötzlich hatte er begriffen: Jemand morste!

»A-c-h-t-u-n-g«, dröhnte es im Rohr. »B-i-n-h-i-n-t-e-r-d-e-m-s-p-a-n-t-e-n.« Pirx reihte die Buchstaben aneinander, eine Silbe nach der anderen.

»Ü-b-e-r-a-1-l-e-i-s . . .« Eis . . .? Im ersten Augenblick begriff er gar nichts. Was für Eis? Was soll das? Wer . . .

»D-e-r-b-e-h-ä-1-t-e-r-g-e-s-p-r-u-n-g-e-n ...«, tönte es. Pirx' Hand lag auf dem Rohr. Wer sendet da? fragte er sich. Und wo? Man müßte wissen, wohin die Rohrleitung führt. . . Sicherlich zum Heck, ein unbenutzter Strang mit Abzweigungen nach allen Decks . . . Irgend jemand übt sich im Morsen . . . Schnapsidee . . . Der Pilot vielleicht?

»P-r-a-t-t-a-n-t-w-o-r-t-e . . .«

Pause. .. Pirx hielt den Atem an, der Name hatte ihn wie ein Schlag getroffen. Eine Sekunde lang starrte er mit geweiteten Augen auf die Leitung, dann warf er sich nach vorn. Der zweite Pilot! durchfuhr es ihn. Er erreichte die Kurve, stieße sich ab und schwamm auf den Steuerraum zu. Über ihm dröhnte das Rohr.

»W-a-y-n-e-h-i-e-r-s-i-m-o-n . . .«

Das Klopfen wurde schwächer, Pirx hatte das Rohr aus den Augen verloren. Er warf sich zur Seite, bog in den Quergang ein, stieß sich von der Wand ab und erblickte

 

durch eine Staubwolke den verbogenen Stumpf des Rohres mit dem eingeschraubten rostigen Stopfen. Hier endet es …, überlegte er. Es führt also nicht zum Steuerraum. Dann kann das Klopfen nur vom Heck kommen . . . Aber da ist doch niemand . . .

»P-r-a-t-t-i-m-s-e-c-h-s-t-e-n-m-i-t-d-e-r-l-e-t-z-t-e-n . .«, hämmerte es. Pirx hing an der Decke wie eine Fledermaus, die Finger umklammerten das Rohr, in den Schläfen pochte es wie wild. Eine Weile war es still, dann setzte das Morsen wieder ein.

»D-i-e-f-la-s-c-h-e-h-a-t-d-r-e-i-ß-i-g-m-i-n-u-s . . .«

Dreimaliges Klopfen . . .

»M-o-m-s-s-e-n-a-n-t-w-o-r-t-e - m-o-m-s-s-e-n . . .«

Stille . . .

Pirx sah sich um. Die Geräusche waren verstummt, nur die Jalousie des Ventilators schepperte leise. Ein Luftzug war zu spüren, er wirbelte flockigen Staub auf, kleine Sdiattensprenkel tanzten an der Decke wie große, unförmige Nachtfalter. Plötzlich hagelte es heftige Schläge.

»P-r-a-t-t-p-r-a-t-t - m-o-m-s-s-e-n-a-n-t-w-o-r-t-e-t-n-i-c-h-t - h-a-t-s-a-u-e-r-s-t-o-f-f-i-m-s-i-e-b-e-n-t-e-n-k-a-n-n-s-t-d-u-d-u-r-c-h-k-o-m-m-e-n - e-m-p-f-a-n-g . . .«

lirneut heftiges Hämmern, das Rohr zitterte noch lange danach. Pause. Dutzende unverständlicher Zeichen, dann eine schnelle Serie.

»G-e-h-t-s-c-h-w-a-c-h-g-e-h-t-s-c-h-w-a-c-h . . .«

Stille ...